Ergebnisse aus zwei Jahren Cannabis-Reform in Deutschland

12.05.2026

Am 1. April 2024 trat in Deutschland das Konsumcannabisgesetz (KCanG) in Kraft, was einen grundlegenden Wandel in der Drogenpolitik des Landes markierte.

Die Reform legalisierte für Erwachsene den Besitz begrenzter Mengen, den privaten Eigenanbau von bis zu drei Pflanzen sowie die Gründung nicht-gewinnorientierter Anbauvereinigungen (Clubs) zum gemeinschaftlichen Eigenanbau.

Zwei Jahre nach diesen Änderungen veröffentlichte die Forschungsgruppe des EKOCAN-Projekts den zweiten Zwischenbericht, der die Auswirkungen der neuen Regeln auf den Markt, die Rechtsordnung und die öffentliche Gesundheit analysiert.

Marihuana auf einem Balkon in Berlin mit Blick auf den Fernsehturm

Konsumstruktur und Wachstum des legalen Segments

Den Studiendaten zufolge ist der Anteil an Cannabis aus legalen Quellen in den letzten zwei Jahren deutlich gestiegen. Ein zentraler Trend ist die Entwicklung des Eigenanbaus: Der Anteil der Konsumierenden, die sich selbst versorgen, stieg von 5,4 % Anfang 2024 auf 21,4 % bis Ende 2025.

Parallel dazu hat Deutschland seine Position als größter legaler kommerzieller Cannabismarkt in Europa gefestigt. Im Jahr 2025 waren rund 200 Tonnen Medizinalcannabis im Umlauf. Begünstigt wurde dies durch das Inkrafttreten des separaten Medizinal-Cannabisgesetzes (MedCanG), das die Verschreibung erleichterte.

Forschende weisen darauf hin, dass viele Konsumierende auf Apothekenprodukte umgestiegen sind, die oft hohe THC-Konzentrationen (über 20–25 %) aufweisen, was Diskussionen über potenzielle Risiken für die psychische Gesundheit auslöst.

Gleichzeitig sind spezialisierte Anbauvereinigungen (Cannabis-Clubs) bisher kein Massenphänomen geworden. Bis Oktober 2025 wurden lediglich 366 Genehmigungen für deren Betrieb erteilt, und sie decken den Bedarf von nur etwa 3,5 % der Konsumierenden.

Auswirkungen auf die Rechtsordnung

Die Reform führte zur umfangreichsten Entkriminalisierung in der deutschen Geschichte: Tausende Strafverfahren im Zusammenhang mit dem Besitz geringer Mengen Cannabis wurden eingestellt. Die Strafverfolgungsbehörden weisen jedoch auf neue Schwierigkeiten hin. Da der Besitz von Cannabis kein automatischer Grund für Kontrollen mehr ist, ist es für die Polizei schwieriger geworden, Strukturen der organisierten Kriminalität aufzudecken.

Gleichzeitig wurde ein Anstieg der illegalen Importe verzeichnet. Im Jahr 2025 beschlagnahmte der Zoll viermal mehr Schmuggelware (vor allem aus Kanada und den USA) als vor der Reform. Dies deutet darauf hin, dass der professionelle Schwarzmarkt weiterhin in starkem Wettbewerb zu den legalen Möglichkeiten steht.

Jugendschutz und Prävention

Die Forschenden betonen, dass ein sprunghafter Anstieg des Konsums bei Jugendlichen unter 25 Jahren in den letzten zwei Jahren ausgeblieben ist – die Zahlen bleiben stabil. Dennoch ist eine „Lücke“ im Präventionssystem entstanden: Aufgrund der Entkriminalisierung leitet die Polizei Minderjährige nicht mehr automatisch an Frühinterventionsprogramme weiter, die zuvor an den Tatbestand einer Ordnungswidrigkeit oder Straftat gekoppelt waren.

Um diese Lücke zu schließen, bauen die Behörden Informationsportale zur Prävention für Jugendliche und Eltern weiter aus. Das vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte EKOCAN-Projekt wird die Situation bis 2028 weiter beobachten. Der Abschlussbericht soll ein umfassendes Bild darüber liefern, ob die Reform ihre Hauptziele erreicht hat: die Zurückdrängung des Schwarzmarktes und die Erhöhung der Sicherheit für die Konsumierenden.

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